Durch Industrie 4.0 ist der Wandel in allen Organisationen grundlegend und weitreichend, um sie für die Arbeitswelt 4.0 leistungs- und überlebensfähig zu gestalten.

Noch heute fällt es vielen Unternehmen schwer, QM-Systeme wirklich zum Leben zu erwecken. Die Akzeptanz und Beteiligung sind gering, Inhalte rücken nur zu Audits in den Fokus, Managementsystem und Realität stellen Parallelwelten dar.

 

Eine Option dem zu begegnen ist, Qualitätsmanagement agil zu gestalten. Das bedeutet:

  • Ziele überdenken
  • Qualitätsbegriff überdenken
  • Managementmethoden überdenken

Definition Agilität

Was verbirgt sich eigentlich unter dem Begriff „Agilität“?  Agilität bedeutet nichts anderes, als in autonomen, interaktiven Netzwerken schnell auf aktuelle und in Proaktion auf antizipierte Bedürfnisse zu reagieren und dafür Lösungen und Produkte zu kreieren sowie zu realisieren.

Probleme des klassischen Qualitätsmanagements

Das klassische Qualitätsmanagement (QM) hat immer noch Schwierigkeiten im Arbeitsalltag Einzug zu finden. Dazu gehören:

  • Erstellung der Dokumentation erfolgt nicht ausreichend oder zu spät
  • Zeit und Personal für die regelmäßige Aktualisierung der hinterlegten Informationen/Durchführung des QM fehlt
  • Mitarbeiter akzeptieren die Veränderungen nicht und identifizieren sich nicht mit dem QM
  • Veränderungen werden nicht ausreichend und rechtzeitig an die Mitarbeiter kommuniziert
  • es werden unterschiedliche Informationen und Dokumentationen verwendet
  • Dokumentation wird nicht als Mittel zur Verbesserung gesehen und dadurch nicht optimal ausgeführt
  • Dokumentation entspricht nicht der Realität
  • Schlechte Organisation des QM
  • Aufwand und Verwaltung des QM-System (QMS) ist zu hoch
  • QM wird nur als Theorie gesehen aber in der Praxis nicht umgesetzt

Diese Punkte stehen der erfolgreichen Umsetzung des klassischen QM im Wege.

Hierdurch ist es besonders wichtig regelmäßig alle Schwierigkeiten zu analysieren und Lösungen dafür zu finden sowie Maßnahmen umzusetzen. Nur so kann eine ständige Verbesserung des QMS erfolgen.

Wie passen jetzt Agilität und Qualitätsmanagement zusammen?

Es geht jedoch nicht nur darum, ob das zusammen passt sondern auch, wie ein solches, agiles Managementsystem eingeführt werden könnte.

 

Grundsätze der ISO 9001                              Grundsätze des agilen QM

Kundenorientierung                                       → Kundeninteraktion

Führung                                                         → Dienende Führung

Einbeziehung von Personen                          → Interdisziplinäre Vernetzung

Prozessorientierter Ansatz                             → Evolutionärer Ansatz

Verbesserung                                                 → Iteration

Faktengestützte Entscheidungsfindung         → Knackpunktbasierte Lösungsfindung

Beziehungsmanagement                                → Menschenzentrierung

Die einzelnen Grundsätze des agilen QM

Kundeninteraktion

Beim klassischen Qualitätsmanagement wird die Bedeutung des Kunden anerkannt. Es werden die Anforderungen erfragt und auf ihre Befriedigung hingearbeitet. Im Extremfall gibt es auch nur zwei Kontaktpunkte:

  • beim Erfragen der Anforderungen und
  • beim Erfragen der Zufriedenheit.

Dahingegen sucht und managt das agile Qualitätsmanagement die kontinuierliche Interaktion mit heutigen und möglichen zukünftigen Kunden. Es ist dabei eng verknüpft mit dem Grundsatz der Iteration. D. h. das Unternehmen beteiligt die Kunden oder geeignete Repräsentanten großer Zielgruppen aktiv in den Phasen der Ideenfindung, Entwicklung, Realisierung und Nutzung von Produkten.

Dienende Führung

Das klassische Qualitätsmanagement ist für sehr hierarchische Organisationen maß-geschneidert. Agile Organisationen sind aber hochgradig selbstorganisiert.

Dabei werden in agilen Organisationen Hierarchien weitgehend aufgelöst. Hier übernehmen interdisziplinäre Teams entscheidende Rollen und Aufgaben, die vorher Führungskräfte innehatten oder zuwiesen. Die Kompetenz, Kommunikation und wirkungsvolle Vernetzung in und zwischen Teams machen dabei in agilen Organisationen die enorme Reaktions-geschwindigkeit bei hoher Ergebnisqualität aus. Die dienende Führung stellt die Ressourcen, Strukturen und eine Kultur dafür bereit. Die Verantwortlichkeiten klärt das agile Team situativ.

Interdisziplinäre Vernetzung

Das klassische Qualitätsmanagement hat die Einbeziehung von Personen typischerweise als das Einbeziehen von Experten mit definiertem Kompetenz- und Befugnisportfolio geregelt.

Unabhängig von ihrer Funktion oder Stellung in Organigrammen, zieht die interdisziplinäre Vernetzung ihre Wirksamkeit aus einem hohen Vernetzungsgrad vieler interner und externer Personen. Agile Teams wissen und ziehen hinzu, wen immer sie gebrauchen können. Diese Aktivität ist kaum plan- und steuerbar. Das agile Qualitätsmanagement muss Vernetzung stimulieren und unterstützen.

Evolutionärer Ansatz

Beim klassischen Qualitätsmanagement ist der prozessorientierte Ansatz sehr wirkmächtig – für Prozessorganisationen.

Projektorganisationen und agile Organisationen haben weitere, zusätzliche Bedürfnisse, um Qualität liefern zu können.

Das agile Qualitätsmanagement schafft die Balance zwischen Prozessorientierung, klassischem Projektmanagement und agilem Arbeiten immer neu zu finden und eine agilitätsförderliche Kultur zu entwickeln. Er unterstützt einen kontinuierlichen Wandel und ermöglicht, Umbrüche zu meistern.

Iteration

Im klassischen Qualitätsmanagement ist am stärksten das Bild der schiefen Ebene, auf der ein PDCA-Rad nach oben rollt und KVP-Keile es am Herabrollen hindern, verankert.

Iteration bedeutet, immer wieder bis zu dem Punkt zurückzugehen, ab dem eine Lösung oder Verbesserung überhaupt oder besser möglich ist.

Iteratives Vorgehen des agilen Qualitätsmanagement kann mit dem Scheitern gut umgehen und ist sehr experimentell. Es produziert immer wieder ganz neuartige Lösungen.

Knackpunktbasierte Lösungsfindung

Beim klassischen Qualitätsmanagement steht die faktenbasierte Entscheidungsfindung im Vordergrund. Im Alltag ist es aber oft so, das meistens Fakten fehlen oder sie werden bewusst ausgeblendet oder auf eine gewünschte Aussage hin designt. Das Ergebnis erscheint dann wissenschaftlicher, als es ist.

Für Lösungen sind Fakten, Verstehen und Beobachten sehr bedeutend.

Im agilen Qualitätsmanagement ist es für die Lösungsfindung am wichtigsten, den maßgeblichen Knackpunkt zu finden, der die Designherausforderung benennt, von der ausgehend eine großartige Lösung entstehen kann.

Menschenzentrierung

Im klassischen Qualitätsmanagement ist das Beziehungsmanagement ist ein starker Grundsatz, der die Bedeutung der Beziehungen zu den Interessengruppen der Organisation erkennt.

Im agilen Qualitätsmanagement richten Unternehmen sich ganz und gar auf die Bedürfnisse der Menschen aller Interessengruppen aus, wollen jederzeit deren Qualitätsbedürfnisse verstehen und aus diesem Verständnis heraus Qualität in allen relevanten Aspekten erzeugen.

Nicht immer ist es einfach ein Qualitätsmanagement erfolgreich einzuführen und die notwendige Akzeptanz aller Mitarbeiter für die Neuerung zu gewährleisten.

Nicht zu Letzt ist das QMS kein statisches System, dass nach der Einführung immer gleich bleibt. Es unterliegt einem ständigen Prüf- und Veränderungsprozess, der geplant, umgesetzt und dokumentiert werden muss.

Jede neue Änderung muss an die Mitarbeiter herangetragen werden und von Ihnen akzeptiert werden.

Denn nur wenn alle Mitarbeiter das QM akzeptieren sind sie auch bereit es anzuwenden.